Etapa 14 (Rurrenabaque - San Borja) 150km

Voller Elan stieg ich an diesem regnerischen Sonntag auf mein Motorrad. Der Töff stand seit einer Woche still und freute sich bestimmt auch so fest wie ich auf das Fahren. Leider regnete es ziemlich viel und das trübte der Fahrspass erheblich. Nicht nur weil ich jetzt mit geschlossenem Visier fuhr, vielmehr wegen der Matschstrasse. Ich merkte bald, dass das 250km weit entfernte San Ignacio de Moxos ein zu weit gestecktes Streckenziel war. Ich kam in dem Matsch einfach nicht vorwärts. Zum Wetterpech kamen dann auch noch technische Defekte hinzu. Der Vergaser klemmte, was zu einer offenen Benzinzufuhr führte. Mit regulieren war nichts mehr. Es gab einfach nur zwei Varianten. Entweder ich fahre Vollgas zum nächsten Kaff, oder ich lasse mich einmal mehr abschleppen. Da ich etwas verrückt bin, fuhr ich. Ich stellte einfach immer wieder den Motor aus wenn es zu schnell wurde. Mich haute es einmal so fest auf die Fresse, dass ich glaubte, mein Schutzengelkontingent sei jetzt aufgebraucht. So 20 km vor dem rettenden Dorf machte der Motor das Spielchen von On – Off nicht mehr mit und starb. Na Toll, ich sass mitten im Regen mit einem ganz kaputten Motorrad. Die Moral war ziemlich tief, die Hungerkurve zeigte weit nach oben und die Töffkleider waren durchnässt. Dass es noch schlimmer geht, musste ich leider später auf der Etappe noch erleben. Ich stand bestimmt 3 Stunden am Schlammrand bis mich jemand abschleppte. Es war bereits fünf Uhr geworden, als ich mit geflicktem Motorrad weiterfuhr. Da es schon spät war und die Strassenverhältnisse meine Routenplanung sowieso zur Änderung zwangen, war neues Übernachtungsziel San Borja. Vom Kaff wo ich mein Motorrad reparieren liess nach San Borja waren es nur 50 Kilometer. Das Problem war, dass mit jedem Kilometer die Strasse glitschiger, und der Himmel dunkler wurde. Irgendwann haute es mich ziemlich wüst auf die Fresse. Ich hob tapfer die über 100 Kilogramm schwere Maschine auf und setzte die Fahrt vorsichtig fort. Vielleicht fuhr es 500 Meter, bis der Schlammboden ein weiteres Mal zuschlug. Ich lag schon wieder zusammen mit der Maschine am Boden. Als ich mich aufhob, flog ich gleich wieder von den Beinen, so glatt war es. Ich blieb im Schlamm liegen, streckte alle Viere von mir und seufzte in die Nacht hinein. „Was mache ich nur hier“, ging mir durch den Kopf. Weit und breit ist nichts ausser Dunkelheit und Pampa (die Region heisst wirklich so!). Mit allerletzter Kraft hob ich wieder das schwere Motorrad auf und drehte den Schlüssel. Nichts passierte, datt Ding war schon wieder Kaputt! Ich wartete eine Stunde bis ich zwei rettende Lichter näherkommen sah. Ich wurde also doch noch gerettet. Als ich zwei Stunden später geduscht in einem Hotelbett in San Borja lag, war für mich klar: Das war die letzte Etappe!


Kommentare

  1. many experiences!
    you would write a book


    Karen

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  2. Sorry Mantou, aber dieser Beitrag war so lustig, ich musste einfach lachen :)) Ist einfach saulustig geschrieben. Wie wäre es mit einer Velotour das nächste mal. Die Hungerkurve ist dann zwar noch steiler, aber die Defektkurve stabil auf sehr tiefen Niveau. Ligru, Dimi

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  3. und dass Du den Schlamassel noch mit Selbstauslöser fotografiert hast, ist einfach genial. Der Mensch hat Humor und Durchhaltevermögen...

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  4. Der Mensch ist unglaublich! shizl manizl
    hanizl

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