San Borja

Mein ganzer Körper schmerzte als ich am Morgen aufwachte. Neben den Händen und den Füssen hat es auch die Beine, und vor allem mein Thorax erwischt bei den Stürzen. Ich deutete dies als weiteres Omen, meinen Entscheid das Motorrad zu verkaufen, heute in die Tat umzusetzen. Vor den Verkaufsverhandlungen musste ich mit dem Bus zu meinem Motorrad fahren, welches irgendwo verdreckt am Strassenrand stand. Ich hatte es erst gar nicht gesehen, so gut war es getarnt. Zu meinem Erstaunen funktionierte der Motor wieder, und so fuhr ich schön vorsichtig in die Stadt wo ich die letzte Nacht verbrachte. Als erstes brachte ich das Motorrad zur Lavanderia, und die liessen es neu aussehen. Danach fuhr ich eine Runde durch das Städtchen, hielt bei einer Gruppe junger Männer, und stieg arschcool von meinem glitzernden Motorrad. Ich protze über das tolle Motorrad, und lockte dem ersten Interessenten 500 Dollar ab (bedenke, in Bolivien sind das zwei Monatslöhne). Ich gab dem Typen Motorrad, Schlüssel und Papiere gegen Dolares Evectivo. Danach fühlte ich mich richtig gut, einmal einen Bolivianer über den Tisch gezogen zu haben, nachdem ich sonst hunderte Male das wehrlose Opfer war. Der neue Besitzer kann das Motorrad nämlich nicht einlösen, da ich es nicht offiziell nach Bolivien eingeführt habe. Endabrechnung der Motorradkosten: 1300 Dollar Kaufpreis minus 500 Dollar Verkaufseinnahmen gibt 800 Dollar, plus Zerquetschtes für Reparatur und Benzin (Kosten pro Kilometer rund 20 Cent). Geboten wurde mir 14 unvergessliche Tage. Nach getaner Arbeit und den Taschen voller Geld hatte ich ein gutes Gefühl. Ich hatte hier im Ort sowieso das Gefühl, dass alles perfekt zusammenpasste. Die Leute waren super nett, die Motorradgeschichte nahm ein prima Ende, und ich lernte ein paar Gleichaltrige kennen. Mit diesen ging ich am Abend auch noch weg. Und Weg gehen heisst in Südamerika "feiern bis es hell wird". In allen Dorfdisko ähnlichen Schuppen wo wir waren, wurde getanzt und gefeiert. Ein Kumpel von mir meinte immer, in Südamerika wird noch richtig gefeiert. Wie Recht er hatte. Tags darauf war dann mehr Katerstimmung als Reisestimmung angesagt. So blieb ich halt noch einen Tag länger hier. Am Nachmittag, nachdem ich langsam aufgestanden bin, fuhr ich mit meinen neuen Freunden im Dorf umher. So wie damals als Töfflibueb. Es gibt einfach Orte wo man hinkommt und alles passt. San Borja zählt für mich definitiv dazu.




Kommentare

  1. Manisl der Töfflibub! San Borjas y las chicas! :-)
    Guk, Hanisl

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