Die Motorradtaufe
Nachdem ich mein Motorrad kaufte, die (Kommunalen) Papiere holte und es 100 Kilometer durch die Prärie einfuhr, entschloss ich mich am nächsten Tag Richtung Bolivien zu fahren. Auf den Gepäckträger band ich mit einer Gummischlinge meinen Rucksack rauf. Übrigens bekam ich auch einen Motorradhelm gratis dazu. Und das wäre dann schon meine komplette Ausrüstung, um durch halb Südamerika zu fahren. Jeder wo schon ein bisschen gereist war, oder eine längere Velotour machte weiss, dass das nichts werden kann. Die Performance stimmte da aber noch bei mir, und ich brannte vor Vorfreude und Naiivät. Bevor ich aber ging, machte ich noch bei der Escribana einen Besuch. Die nette Dame wollte von mir 750 000 Guaranies (170 Fr.) haben. Dies ist der Preis um mein Motorrad beim Staat anzumelden und ein Nummernschild zu bekommen. Schlecht gelaunt legte ich die Scheine auf den Tisch. Und das Beste kommt noch: Das Nummernschild gibt’s in etwa 5 Wochen! Es kann aber auch länger gehen. Sie meinte nur „Tranquillo“. Das Wort beschreibt auch gut den Puls Südamerikas. Ich bekam aber ein Zertifikat, das ich das Motorrad beim Staat meldete und der Prozess zum Erhalt des Nummernschildes am laufen ist. Mit diesem im Rucksack konnte es dann endlich losgehen.
Ich plante für meine erste Fahrt eine Strecke von 450 Kilometer zurückzulegen, bis in die erste Stadt nach der bolivianischen Grenze. Zwei Tankstellen sollte es nur geben, es ist ja auch nur Pampa da. So habe ich dann bei der ersten Tankstelle zusätzlich zehn Liter Benzin gekauft. Der Tankwart füllte alles in einen alten Wasserkanister und ich band diesen dann oben auf meinen Rucksack. Es sah abenteuerlich aus. Ich wollte ja Abenteuer, und bekam es auch. Je länger ich fuhr desto mehr Schlaglöcher hatte die Strasse. Und irgendwann hatte es keine Schlaglöcher - und auch keine Strasse mehr. Entweder war der Untergrund Sand, oder Erde. Der Sand war etwa so tief wie auf einem Beachvolley Feld und die Erde war nass und glitschig. Neben mir waren noch ein Paar Jeeps und Strassenbauer auf dem 4x4 Spielplatz. Einmal war ich von der Strasse abgekommen und sonst bot dieser Streckenabschnitt nichts Nennenswertes. Irgendwann wurde das Schlachtfeld wieder zu Strasse und mein Motorrad lernte wieder den 5. Gang kennen. Ich zog den Griff voll durch, und fuhr mit Tempo Richtung Bolivien. Dafür gab es jetzt auch wieder Schlaglöcher auf der Strasse. Ich fuhr volle Kanne in ein Loch, und mein Motocrosstöff federte brav ab, dachte ich. Zwei Sekunden nach dem „Uff“ spürte ich plötzlich was Nasses an meinem Rücken. Das Benzin!!!! Mein Motorrad, mein Rucksack und ich wurden soeben mit zehn Liter Benzin getauft. Der Kanister mit dem dünnen Plastik war durch den Schlag in zwei Teile aufgerissen. Geärgert habe ich mich nicht mal so richtig. Das gehört halt auch dazu zum Abenteuer. Nach fünf Minuten fahrt sah ich ein Haus, mit Schatten wartenden Bauarbeiter. Bueno, dachte und sagte ich. Frisch geduscht und mit etwas neuem Benzin machte ich mich weiter auf den Weg.
Es war sieben Uhr abends und der Himmel wurde immer dunkler und regnerischer. Ich befand mich gerade 10 Kilometer vor der Grenze als ich auf einen Militärcheckpoint traf. Die Uniformierten baten mich vom Motorrad zu steigen und zum Wachhäusschen zu kommen. Ich bekam ein Stuhl, und ein Bier. Die Herren rieten mir davon ab, heute noch nach Bolivien zu fahren. Und so blieb ich da und genoss einmal mehr die Gastfreundschaft der Südländer. Um neun Uhr wurde mir servierten sie mir noch eine warme Mahlzeit. Das Fleischgericht war köstlich. Ich konnte die Toilette benutzten und meine Zähne putzen. Geschlafen habe ich in einem der Betten vom Wachhaus.
Am nächsten Morgen bedankte ich mich und fuhr zur Grenze. Ich drückte dem bolivianischen Zöllner alle Papiere des Motorrades in die Hand und betete. Es hat nichts genützt. Der Zöllner schüttelte den Kopf. Kein Schild, kein Bolivien. Da war nichts zu machen, und auch nichts zu schmieren. Es gibt nur einen Weg zurück. Und das ist der wo ich genommen habe. Und so fuhr ich wieder Richtung Loma Plata. Aber nur 20 Kilometer - dr Töff vom Mantou het es Loch im Pneu…
"ich wollte Abenteuer und bekam Abenteuer" , nun ja, nun je, nun jeminee¨
AntwortenLöschenich hoffe für dich, dass dich das nächste nicht wieder an den Ausgangspunkt zurückführt (obwohl du ja auch da ein Stück weiter warst...)
Und. what`s next? der Spanisch-Kurs?
herzdi.
Ma
Manisl! Deine Töff-Geschichte tönt suuuuper spannend.. bin gespannt wie's weiter geht... und sage nur: tranquillo tranquillo ;-)
AntwortenLöschenHabdichlieb, du fehlst
Hannah
Mantou, Du alter Abenteurer, Deine Geschichten lesen sich so spannend! Tranquillo
AntwortenLöschen...... und mir flickes mit eme Schigg!
Köstlich amüsiert!
AntwortenLöschenvermiss dich.... viel spass!!!
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