Kurz vor Mitternacht kam ich in einer Stadt an, von der ich bis vor fünf Stunden nichts wusste. Ciedad del Este. Die paraguayische Stadt ist eine der gefährlichsten Städte Südamerikas. Die Schmugglerstadt liegt im Dreieck Brasilien, Argentinien und Paraguay, also da wo die halbe lateinamerikanische Welt aufeinander trifft. Sie liegt auch unmittelbar neben Iguazu, dem Ort wo die grössten Wasserfälle Südamerikas 150 Meter in die Tiefe stürzen. Die ganzen Touris gehen aber nicht nach Ciedad del Este, sondern hängen in den Hostels in Iguazu del Ponte ab (Argentinien). 10 Minuten nach meiner Ankunft war mir auch klar, wieso die alle in Argentinien bleiben. Ich stand also nachts um 23:30 am Busterminal, welcher etwas ausserhalb vom Zentrum war. Um das grosse Gebäude waren nur Taxis, etwas Industrie, Gebüsch, verdreckte Wiesen und hunderte von Obdachlosen, welche in ihren einfachen Pappkartonhütten lagen, oder auf den dunklen Strassen rumschlichen. Viele von diesen waren noch keine zehn Jahre alt. Während der Busfahrt nach Ciedad del Este stellte ich mich auf ein gemütliches Städtchen ein, in welchem es nur so wimmelt von stylischen Hostels. Na gut, ich stand also beim Terminalgebäude und fragte nach der Richtung des Zentrums. Ich werde bestimmt was Gemütliches in der Innenstadt finden, dachte ich mir. Und so zog ich los, durch eine Gegend wo mir ungemütlich zu Mute wurde. Die Obdachlosen Menschen schauten mir nach, wie ich alleine mit Rucksack durch Ihr Revier zog. Auch betrunkenen begegnete ich, welche nach überflüssigen Dinares fragten. Mir wurde das Ganze langsam aber sicher immer wie Ungemütlicher. Von Zentrum war weit und breit nichts zu sehen. Zehn Minuten lief ich schon durch diese NO GO Area, bis ich auf einer Kreuzung zwei junge Männer traf. Diese jonglierten für die wartenden Autos und verdienten so ihr tägliches Brot. Meine Chance auf Begleitschutz, oder zumindest Positionsschutz. Nachdem ich mich kurz vorgestellt hatte, schnappte ich mir die Keulen und Jonglierte. Ich wollte Ihnen damit zeigen dass ich einer von Ihnen war, zumindest im künstlerischen Bereich. Es klappte, die Jungs hatten Freude. In Spanisch erklärte ich den beiden meine Situation, dass ich das Zentrum suche und einen Schlafplatz. Sie schüttelten beide den Kopf und schauten in die Richtung wo ich gehen wollte. Der eine Zeigte mir stolz zwei Narben am Bauch, welche er vor ein paar Wochen bei einer Stecherei oder einem Überfall gekriegt hatte. Ich sage euch, ich hatte wirklich Angst in dem Moment. Es waren auch keine Häuser in der Gegend, nur dunkle Strasse und Pampa. Ich hielt mich also bei den beiden Jungs auf, machte mit ihnen auf Smalltalk und wartete sehnsüchtig auf ein vorbeifahrendes, freies Taxi. Das dritte hielt, und ich machte mich aus dem Staub. Auch ihm erklärte ich meine Geschichte und er fuhr los. Ciudad ist aber keine Stadt wo es Hotels für Touristen gibt. Da hat es bloss ein paar Hotels für Geschäftsleute. Ausgebucht, Ausgebucht und nochmals Ausgebucht. Wir fuhren lange und immer Kopfschütteln bei den Nachtwächtern. Ich sah mich schon unter einer Brücke, oder in einem halbwegs sicheren Park die Nacht verbringen. Und wo ich so über mein drohendes Schicksal nachdachte, sagte der etwa 40 jährige Taxifahrer „mi Casa“. Was! Ich glaube ich hörte nicht richtig. Viele Menschen hätten jetzt wohl nein gesagt. Ich aber habe mich auf ein weiteres Abenteuer eingelassen und bin mit dem wildfremden Menschen mit zu ihm nach Hause. Auf dem Weg zu seinem Haus erinnerte mich die Gegend an die Armenviertel Südafrikas. Bei ihm angekommen zeigte sich aber ein nettes Hüttchen wo mit Ziegelsteinen gemauert und mit Wellblech gedeckt wurde. Drinnen angekommen schliefen seine vier Kinder in einem der zwei Räume. Im anderen hatte die Familie eine gemütliche Stube und nachts diente diese auch als Schlafraum für die Eltern. Mir wurde ein Schlafplatz im Kinderzimmer angeboten. Ich bekam mein eigenes Bett und legte mich, ohne Zähne putzen und mit samt den Kleidern, auf das Bett. Draussen bellten Hunde. Ich hörte ihnen ein wenig zu und schaute durch die offenen Mauerstücke in die Nacht. Ein sehr abenteuerliches Hotel hatte ich da.
Am nächsten Morgen wurde ich von "Güggel" gekrähe geweckt. Kurz darauf hatte ich mich ohne grosse Worte aus dem Staub gemacht. Zwei Stunden spähter fand ich mich bei den riesigen Iguazu Wasserfällen. Wer schon mal den Reihnfall gesehen hat rechnet mal 10. Einfach Gigantisch. Genauso gigantisch war auch der Eintrittspreis und die Touristenmenge. Am nachmittag machte ich mich, ohne meine Fotokamera, auf den Weg nach Loma Plata.
Du lieber Schwan!
AntwortenLöschenZum Glück reist immer mindestens ein Schutzengel mit!
Schon erstaunlich, wie die Vorstellung der Verhältnisse an einem Ort manchmal abweichen von dem, was du dann wirklich antriffst! Gibt es keine Möglichkeit, vorher etwas mehr rauszufinden? Oder gehört das eben mit dazu zum Abenteuer.?... Und: Seit wann sprichst du etwas Spanisch???
Freue mich immer ungemein über deine Berichte!
Sei herzlich umarmt.
Ma
Du erlebst was!
AntwortenLöschenMantou: "yo dormir?" Taxifahrer: "mi casa!"
AntwortenLöschenwow manisl, das ist adventure pur! aber hey: take care!!
Liebe grüsse aus der fasnachtstadt
hannah
spannend, was Du da berichtest! Und Du erzählst es saugut, dass man richtig Angst bekommt, sich die Schlafstätte vorstellen kann und Deine Situation nachempfindet! Super!
AntwortenLöschenmantouuuu, pass ein wenig auf, man hört doch so einiges von den ländern dort :) !!! nein wirklich, keine nachtspaziergänge mehr in unbekannten gegenden.
AntwortenLöschenguxle lisa