Um fuenf Uhr morgens weckte mich der Chauffeur des Busses mit den Worten Loma Plata und ruettelte an meiner Schulter. Ich stieg als einziger an diesem Ort aus, welcher mitten in der Wueste war. Der Bus fuhr weg und ich schaute ihm sehnsuechtig nach. So stand ich, mit meinem Rucksack als einziges Hab und gut, in der Pampa. Es gab nichts um mich herum ausser Sand und ein paar Haeuser. Einmal mehr fragte ich mich, was ich allein in dieser Dunkelheit machte. Einzig der Mond leistete mir Gesellschaft. Es dauerte aber nicht lange und es gesellte sich eine Polizeipatrouille zu mir. Ich war uebrhaupt nicht vorbereitet auf die Polizei. Nachdem die drei Maenner ausgestiegen sind, meinen Pass kontrollierten und mich nach dem Grund des Aufenthaltes fragten, kam mir das Ganze schon etwas spanisch vor. Spanisch wird hier aber nicht geredet. Der Polizeianfuehrer sagte Kopfnickend Plattdeutsch und erwartete eine Antwort in seinem Dialekt. Wo zum Geier bin ich hier gelandet??? Ich fragte den Uniformierten freundlich, ob ich mit seinem Mobiltelefon meinem Couchhost anrufen kann. Sie waren sehr hilfsbereit und gaben mir ein Telefon. Nach dem Anruf verschwand die Polizei und zehn Minuten spaehter holte mich Fanny mit ihrem Kleinwagen ab. Waehrend der Fahrt zu ihr erklaerte sie mir, das Loma Plata eine Mennonitenkolonie ist. Mit anderen Worten heisst das, dass vor etwa 80 Jahren die ersten glaeubigen Mennoniten sich hier ansiedelten, und seither leben die Menschen hier. Heute sind es 3500 von Total 5500 Einwohner. Ich weiss nicht ob ich hierhin gekommen waehre wenn ich das gewusst haette. Nun war ich aber da und meine Gastgeber waren auch super. Ich bekam meine eigenes Zimmer und da schlief ich noch etwas in den Morgen hinein. Als ich aufstand und das Bier im Kuehlschrank entdeckte war mir klar, das es hier nicht so konservativ war. Mir wurde auch alles gezeigt von der Kolonie. Die Mennoniten haben sich so organisiert wie ein kleiner Staat, welcher im Land Paraguay Niederlassungsstatus hat. Zum beispiel haben sie eigen Sozialversicherungen, Spitaeler, Schulen, Unternehmen, Strassen und natuerlich Kirchen. Ich blieb also ein paar Tage da. Klimatisierte Haeuser, Pool und gutes Essen machten meinen Aufenthalt recht angenehm. Von hier aus wollte ich als naechstes nach Bolivien reisen. Aber mit welchem Reisemittel?? Ich habe in Loma Plata zehn Mal mehr Motorraeder gesehen als Fahrraeder. Jeder fuhr hier auf einem chinesischen Billigbike rum. Die sind so billig, dass koennen sich sogar die Indianer leisten, welche fuer die Mennoniten arbeiten. Und so machte ich eines Nachmittages aus meiner Idee Naegel mit Koepfen, und klapperte die oertllichen Motorradhaendler ab. Alle hatten die gleichen Dinger im angebot, und die Preise waren zwischen billig und extremst billig. Fuer umgerechnet 650 Franken bekommt man eine 125 ccm Maschine. Occasions Haendler liess ich links liegen. Nach drei Tagen bedenkzeit habe ich mich fuer den Kauf einer 150 ccm Reiseenduro entschieden. Also nicht zu gross und genug schnell, um die geplanten 5000 km zurueck zu legen. Meine Investition kostete mich satte 1300 Franken. Dazu gab es auch alle (oder fast alle Papiere, wie sich spaehter zeigte) gratis dazu, plus Rueckkaufgarantie. Als ich die neue Maschine vom Haendler geholt habe und durch die Steppe fuhr, war das wie ein Bubentraum. Weit und breit Nichts. Nur das tuckern vom chinesischen Motor war zu hoeren. Ein echt geiles Gefuehl. Und wenn ich daran denke dass das in der Schweiz und Europa nicht moeglich waere, machte es noch mehr spass. Vorallem wuerde ich mir jetzt auch den Arsch abfrieren. ;)

Kommentare

  1. Erfülle dir deine Bubenträume, die Steuerrechnung (gerade eben reingeflattert) kann warten. Und pass auf dich auf! LG, Dimi

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  2. pfff... steuerrechnung... spielverderber! ;-)
    ich find's supi, dass wir beide dank dieser saublöden kreuzfahrt-idee wohl den winter unseres lebens verbringen.
    geniess es!
    barbara

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  3. @Buchhalter Dimi: Steuerrechnung, nein Danke!!!
    Ich bin dir natürlich für alles Dankbar wo du so erledigst. In Südamerika ist alles Tranquillo :) habe ich jetzt schon parmal erlebt, so auch mit meinen Papieren für den Töff. Aber dr Füfer und Sweggli giz haut eifach nid.

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