Expedition Huayna Potosi 6088 M.ü.M.

Seit ich hier in der Altinplano Hochebene am herum reisen bin, fasziniert mich vor allem etwas. Die Höhe. Ich habe mir zum Abschluss (morgen verschwinde ich Endgültig aus dem Hochland) eine Wanderung mit Expeditionscharakter, auf den über 6000 Meter hohen Huayna Potosi, organisiert. Technisch ist der Berg mittelmässig schwierig. Mit etwas alpiner Erfahrung sollte er zu packen sein.

Ich kam spät abends in La Paz an. Völlig kaputt von der Machu Picchu Reise probierte ich in einem Hostel, welches neben einer Disco (ca.60db in meinem Zimmer) war, einzuschlafen. Ich musste mich mit 4 Stündchen Schlaf begnügen. Um acht Uhr traf ich mich mit meinem Bergführer in La Paz. Nachdem ich meine Ausrüstung anprobierte und Steigeisen, Eispickel und Thermoschlafsack im Rucksack verstaute, fuhren wir Richtung Huayna Potosi. Ich freute mich, wie ein Kind vor seinem Geburtstag, wieder einmal einen Berg besteigen zu können. Am Mittag kamen wir im Basecamp (4800m) an. Normalerweise schläft man hier ein paar Nächte um zu akklimatisieren. Danach wechselt man erst ins weiter oben gelegene Highcamp (5200m). Ich blieb aber nur die Dauer von einem Mittagessen im Basecamp. Danach schnürte ich meine Hartschalenschuhe und machte mich, zusammen mit meinem Bergführer Alex, auf den Weg, und lief ins Highcamp. Was ich auf dieser, technisch gesehenen, „Bubiwanderung“ erlebte, wünsche ich niemanden. Ich habe mit der verkürzten Tour, welche für erfahrene Bergleute das richtige wäre, am falschen Ort gespart. Ich habe mir das so vorgestellt: Zack rauf, zack runter und der Körper ist ausgetrickst. Bereits bei der ersten Steigung begann es zu schmerzen in der Lunge. Da dachte ich noch, das geht vorbei sobald ich richtig eingelaufen bin. Aber es wurde immer schlimmer. Das Problem ist nicht nur der Lungenschmerz, sondern das sich Wasser im Atmungsorgan absetzt. Als ich die 5000er Grenze überschritt merkte ich dann, was mit dünner Luft genau gemeint ist. Wir meinen alle dass unser Alpenlüftchen dünn wäre. Doch ich kann euch versichern, wir haben eine wahre Sauerstoffbombe in den Schweizer Bergen. Ich war also auf dem verschneiten Pfad, welcher Richtung Highcamp führte. Drei Schritte –eine halbe Minute Pause. Anders ging es nicht. Die drei Schritte waren als ob du 10 Meter tauchst. Danach brauchst du wieder eine Pause, um deine Zellen mit Sauerstoff zu füttern. Dazu kommen Kopf- und Bauchschmerzen. Als ich eine einfache Behausung aus Stein sah wusste ich, das ist das Highcamp. Die letzten zwanzig Meter waren die schlimmsten. Ich wollte den Rucksack liegen lassen und hochkriechen. Den könnte ich ja nachher holen, dachte ich. Als ich mich, schlussendlich doch mit Rucksack, zur Hütte schleppte und ankam, legte ich mich erschöpft auf den Steinboden. Ich bekam eine Handvoll Cocablätter und stopfte mir diese ins Maul. Mir wurde langsam klar dass das Nichts werden kann. Der Versuch, einen Sechstausender zu besteigen ohne richtig akklimatisiert zu sein kann tödlich enden. Die anderen „Amateurbergsteiger“ absolvierten alle ein anständiges Akklimatisationsprogramm. Im Idealfall schläft man da während 10 Tagen auf 4500 Meter und macht jeden Tag eine Wanderung zwischen 3800 und 5200 Metern. Ich machte mit meinem Bergführer aus, dass wir vor dem definitiven Gipfelaufstieg meine Verfassung checken. Um fünf Uhr gab es Znacht, danach gingen wir schlafen, oder besser gesagt, legten wir uns hin. Geschlafen habe ich nämlich nicht. Meine Lunge schmerzte immer noch bei jedem tiefen Atemzug. Meine Gedanken waren während der der Nacht nur mit einer einzigen Frage beschäftigt. Entweder ich gehe hier mitten in der Nacht raus, oder ich bleibe liegen. Ich habe mich für das Zweite entschieden. Nicht weil ich faul bin.Für mich war das Risiko einfach zu gross, ohne Akklimatisation weitere 900 Höhenmeter aufzusteigen. Die Nacht vor mir musste ein schlecht vorbereiteter Berggänger (Wasser in der Lunge) Evakuiert werden. Und zwar zu Fuss. In dieser Höhe gibt es keine Helikopterrettungen. Mitternachts sah ich dann den anderen Bergsteigern zu, wie sie sich bereit machten und aufbrachen, um bei Sonnenaufgang auf dem 6088 Meter hoch gelegenen Gipfel zu stehen. Rund die Hälfte aller aufgebrochenen Seilschaften waren vor Sonnenaufgang wieder im Highcamp (haben es also nicht geschafft). Draussen war es, mit minus 25 Grad, bitterkalt. Und die Kälte wurde noch von einem Schneesturm begleitet. Als der Tag anbrach, machte ich mich mit meinem Bergführer auf den Weg, ins tiefer gelegene Basecamp. Von da aus ging es dann wieder zurück nach La Paz. Ich bin schon etwas enttäuscht, weil ich es nicht geschafft habe. Aber die Entscheidung war die Richtige. Ich bin jetzt wohlauf in La Paz in einem Hotel, und um eine Erfahrung reicher.

Kommentare

  1. ay caramba que ricco!!!!!

    Liebi grüess usem norde

    michi

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  2. Oh manisl, was du alles erlebst! unbelievable
    hanisl

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  3. Wow, was für ein Bericht, was für ein Erlebnis. 5200 Meter - ist wohl Pfluger-Rekord!
    Ich hoffe dir und deiner Lunge geht es wieder gut. Gruss, Dimi

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  4. Hast du sehr gut gemacht. Die Entscheidung zur Umkehr ist wohl die schwierigste. Und so schnell verschwinden die 6000er nicht. Herzgruss

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  5. Binii froh bisch umkehrt und hesch d`vernunft loh siige über de Gluscht nach em absoluute Thrill - so weisch jetz was es bruucht für es anders mol... wie der Christoph schriibt - d`Bärge bliibed ..
    Härzdi!

    Ma

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  6. que emocionante!, increible!, estoy orgullosa de ti, disfruta mucho y cuidate, besito..

    Jimena Karen

    :)

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  7. 5200 zu fuss sind eine Glanz Leistung. Der Pflugerrekord liegt bei 5602 Meter - jedoch mit dem Töff;) allein der Aufstieg auf den den Töff auf dieser Höhe verlangte nach einer Verschnaufpause. Ohne Akklimatisierung ist diese Bubiwanderung Lebensgefährlich. Die Schmerzen sind Symptome der Höhenkrankheit und das einzige Medikament ist der Abstieg. Ich bin froh hast du dich für deine Gesundheit entschieden.
    Habe gerade alle Etappenberichte nachgelesen. Unglaublich faszinierend was für tolle, atemberaubende Abenteuer du in den Anden erlebst.
    Noch herzlichen Dank für die Karte.
    Weiter so... GlG Roman und Co

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